Die Kuckuckskinder der Möbelmesse

Text:  21.4

Im Design-Viertel «Ventura Lambrate» am Rande von Mailands Stadtzentrum stellte die HEAD (Haute école d’art et de design in Genf) Neuinterpretationen der klassischen Pendeluhr aus. Die beteiligten Designer/-innen kommentierten mit ihren Entwürfen augenzwinkernd die überdekorierte, klassische Kuckucksuhr aus dem Schwarzwald. Humorvoll, überraschend und erfrischend zugleich.

An der Mailänder Möbelmesse zelebrieren die gestandenen Produzenten Jahr für Jahr einer repetitiven Zeremonie gleich ihre Neuheiten und Kollektionen. Je nach Geschäftsgang fällt der Stand mal mehr, mal weniger opulent aus. Daneben buhlen junge Labels meist abseits vom Messegelände und im Schatten der Grossen um dasselbe: Aufmerksamkeit und Bestellungen. Die Messe, der Taktgeber. Ist das nicht das perfekte Umfeld, Zeitmesser auszustellen?

Ob der vielen Eindrücke mag einem nämlich schwindlig werden, meine Eindrücke jedenfalls verblassten in diesem Jahr besonders schnell. Ein Auftritt aber bleibt mir in bester Erinnerung: Die Ausstellung «24 Hours in the Life of a Swiss Cuckoo Clock» verschiedenster Bachelor- und Master-Studenten der HEAD in Genf.

Auf Einladung von Jean-Pierre Greff, dem Direktor der Kunsthochschule, reinterpretierten Studierende zusammen mit Designern wie Claudio Colucci oder Matali Crasset die Ikone der Zeitmessung und des Kunsthandwerks; die Kuckucksuhr. Sie waren beauftragt, unter Berücksichtigung der Möglichkeiten und Ansprüche typisch Schweizerischer Uhrmacherskunst Wanduhren zu gestalten, die eine ganz eigene Geschichte der Zeitmessung erzählen. Hier die aus meiner Sicht spannendsten Beiträge:

Dorothée Loustalot, «Bird Cage Clock»:
Der Kanarienvogel schwingt langsam von Sekunde zu Sekunde, im Kreis und im Käfig, der mit seinen zwölf Stäben die Stunden anzeigt. Zur halben Stunde pfeift der Vogel auf die vergangene Zeit.

01_IKEA_Mailand_HEAD_Bird_Cage_Clock

Wendy Gaze, «Sémaphore»:
Die Papierrolle misst ein Jahr, auf ihr wird jede ganze Minute abgedruckt. Am Boden häuft sich das Papierband als materialisierte Zeit.

02_IKEA_Mailand_HEAD_Semaphore

Claudio Colucci, «Voyages Extraordinaires»:
Inspiriert durch Jules Vernes Reise- und Abenteuerromane hat der Designer dem Uhrwerk konzentrische Scheiben aufgesetzt. Jede steht für eine Informationsebene: Stunden, Minuten, Sekunden, astrologische Zeichen, Feiertage, Jahreszeiten, Monde. Aus der Uhr wird ein Panoptikum der Zeit.

03_IKEA_Mailand_HEAD_Voyages_Extraordinaires

Noélie Salguero-Hernandez & Nadège Dell’omo Seigne, «Coucou-Nest»:
Die Uhren-Voliere für Städter mit Garten oder Balkon. Im Gehäuse-Dach ist eine kleine Solaranlage versteckt, sie versorgt die Uhr mit Strom. Im Gegensatz zur herkömmlichen Kuckucksuhr ist der mechanische Vogel mit einem echten ersetzt; am Pendel schwingt sein Futter und im Häuschen findet er Schutz.

04_IKEA_Mailand_HEAD_Coucou-Nest

moebelschweiz

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s