ECAL – Neue Bescheidenheit

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Am Democratic Design Day in Älmhult (8. und 9. Juni) präsentierten Industriedesign-Studierende der ECAL ihr Projekt «IKEA Essentials for Modern Living by ECAL». Mit 50 Einrichtungsgegenständen beantworteten die angehenden Designer/-innen die Frage, welche Gegenstände sie gestalten und selber nutzen würden, könnten sie ihr Heim ausschliesslich mit dieser limitierten Anzahl Gegenstände einrichten.

Was wäre, wir hätten nur 50 Objekte, mit denen wir unser zu Hause einrichten könnten? Welche Einrichtungsgegenstände bräuchten wir? Und wie sähen diese aus? Antworten lieferten Studierende der ECAL, auf Einladung von Marcus Engman, Chefdesigner bei IKEA und auf Initiative von Nicholai Wiig-Hansen, einem dänischen Designer, der seit einem Jahr an der ECAL in Lausanne unterrichtet und das Projekt leitete.

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An den Democratic Design Day in Älmhult, IKEA’s Jahresmedientagung am Hauptsitz in Älmhult, präsentierten die Studierenden die produktionsreifen Prototypen: Auf einer zimmergrossen Fläche inszenierten sie eine Wohnsituation, entsprechend eng war’s zeitweilig vor Ort, als die Medienschaffenden durch die ECAL-Ausstellung «Basic House Exploration» geschleust wurden.

Wer radikal neue Möbeltypologien suchte, wurde enttäuscht: Tisch, Bett, Transport-Trolley, Sofa und andere vertraute Einrichtungobjekte sind Teil des Sets. Worin also liegt die Innovation? Nicholai Wiig-Hansen, der Projektverantwortliche, entgegnet trocken: „Trying to be more real“. Kern des Briefings sei gewesen, die Studierenden im zweiten Jahr ihrer Ausbildung an Markt- und vor allem Produktionsrealitäten heranzuführen. Keine schönen neuen Ideen habe er erarbeitet sehen wollen, sondern Produkte, die bezüglich Produktion, Materialität und Qualität den IKEA-Standard erreichen. Keine schöngeistigen Konzepte also, sondern Produkte, die morgen in der nächsten IKEA-Filiale stehen könnten.

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Aus diesem Grund hätten die Studierenden Werke von Herstellern besucht und in Polen und Schweden gesehen, unter welchen Bedingungen und Möglichkeiten für IKEA produziert wird. Beim Konzern nennt man diesen Ansatz auch «designing on production floor». Für die Studierenden «war’s eher ein Realitäts-Check», wie Nicholai Wiig-Hansen lachend anmerkt. Und damit nicht genug: Er forderte von den Studierenden auch, dass sie auf ihre Autorenschaft verzichten. «Sie mussten ihr Ego hinter sich lassen», erklärt Nicholai Wiig-Hansen den skandinavischen Anspruch. Konkret hiess das, dass die 50 Produkte kollaborativ und in kleinen Gruppen entwickelt wurden.

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Es sei für sie «eine Art Klimawandel» gewesen, bestätigen vier Studierende, im Spannungsfeld zwischen Fabrik, Gestaltung und Massenproduktion auch den Anspruch auszuhalten, die eigene Position zugunsten der Gruppe aufzugeben und «nur» Teil eines Gestalterteams zu sein. Demokratisches Design à la IKEA eben: Den Fokus auf’s Kollektiv und Gemeinwohl gerichtet.

Die Resultate des mit nur drei Monaten knapp bemessenen Projekts lassen keine Zweifel offen: Die Studierenden haben Produkte entwickelt, die auf dem Massenmarkt Bestand hätten. Die Objekte tragen die DNA des Konzerns und die Handschrift von ECAL-Studierenden.

Tags: DEMOCRATIC DESIGN DAY ECAL IKEA ESSENTIALS FOR MODERN LIVING BY ECAL NICHOLAI WIIG-HANSEN
moebelschweiz

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