Das Prinzip Nadelöhr

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An Regalen, die sich ohne Schrauben oder Werkzeuge montieren lassen, haben sich schon viele Designer versucht. Doch Marc Haldemann ist es gelungen: Ein stabiles und erweiterbares Holz-Regal.

Was tun, wenn man nicht findet, wonach man sucht? Man stellt es selber her. Das sagte sich kurzerhand auch Marc Haldemann, 33, Aarauer Objektdesigner mit einem Master-Abschluss der Hochschule Luzern. Er hatte erfolglos nach einem schlichten und modularen Regalmöbel gesucht, einem Aufbewahrungssystem für seine Bücher und anderen Kleinobjekten mit der Höhe eines Sideboards. Ihm schwebte ein niedriges Regal vor, bei dem das konstruktive Prinzip sichtbar und deshalb zugleich minimiert ist, eines, das sich erweitern lässt aber in der Herstellung günstig bleibt.

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2015 stellte er den ersten Prototypen her: Auf Rundstäben aus Holz lasten in der Vertikalen die Tablare. Diese sitzen auf Messingrundstäben, die in der Unterseite der Tablare eingelassen sind und durch zwei Rundstäbe laufen. Er sei, sagte er im Gespräch, selber überrascht gewesen, wie stabil bereits der erste Protoyp gewesen sei. Denn auf den ersten Blick sieht das Regal zwar formschön aus, das konstruktive Prinzip aber erinnert dann doch eher an eine archaische Bauweise auf Stelzen.

«Die Rückschlüsse aus dem ersten Prototypen zeigten, dass die Idee funktionieren kann. Die Schwierigkeit bestand darin, dass die Stäbe passgenau durch die Tablare geführt werden können, ohne dass sie sich verkeilen». Ein Nadelöhr aus Holz, im Wechselspiel zwischen Materialstärke der Tablare und der Auflagefläche zum Rundstab findet das Regal aber seine Stabilität. Und mit zunehmendem Gewicht der Objekte, die auf ihm zu liegen oder stehen kommen, versperrt sich die Konstruktion erst recht.

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Informationen zum Regal:
Die Einzelteile werden in einer lokalen Schreinerei hergestellt, das Gestell wird als flaches Paket geliefert. Die Kosten für das hier gezeigte Regal betragen rund CHF 1’800. Das Holz ist grau gebeizt und lackiert, die Stäbe sind aus Messing. Anfragen und Bestellungen nimmt der Designer gerne via E-Mail entgegen: mail@marchaldemann.ch.

Tags: HSLU MARC HALDEMANN MASTER OF ARTS IN DESIGN REGALSYSTEM
moebelschweiz

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