Das Sitzen auf seine Essenz eingekocht

Text:   12.8

Wie radikal kann man einen Stuhl auf ein Minimum vereinfachen? Sebastian Marbacher gibt mit seinem stapelbaren Stuhl «Basic Chair» eine gelungene Antwort. Er drückt nicht nur Reduktion und Verzicht aus, sondern stellt damit die Möblierung des temporären Strassenrestaurants «ISS Hope / Galley & Host Lab» bei der Europaallee.

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Mit der Installation richteten die beiden einen temporären Brennpunkt der Kulturvermittlung an: Kochen und Essen als ein Setting der kulinarischen, äshtetischen und ökologischen Praxis, als ein Moment der sinnlichen Erfahrung anderer Gesellschaften und ihrer Lebens- und Ernährungsgewohnheiten.

Als Wiedergabe chinesischer Gastrokultur wollen sie ihr Projekt aber nicht verstehen. Vielmehr sehen sie darin eine Plattform für die Vermischung und Vermengung; einen Schmelztigel von Gastronomie, Gestaltungs- und Dialogkultur im Spiegel lokaler Produktion.

In diesem Kontext ist der Beitrag von Sebastian Marbacher gut verortet. Die Ideen und Ziele der beiden Neo-Gastrounternehmer sind Konzepte, nach denen auch Sebastian Marbacher sein Wirken als Industriedesigner ausrichtet: Lokale Produktion, mit einfachsten (und natürlichen) Mitteln Möbel selber bauen und dabei eine Ästhetik der Schlichtheit und Ehrlichkeit zum Ausdruck zu bringen, das ist, was ihn seit langem antreibt. Mit dem Stuhl «Basic Chair» hat er nun für das Pop-up-Restaurant die Essenz des Sitzens eingekocht und ein Sitzobjekt gestaltet, das darüber hinaus die Tradition stapelbarer Hocker bei Strassenküchen in den Kontext der Manifesta übertragen hat.

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Zur «ISS Hope»
Das Projekt gründet in der Zusammenarbeit mit dem Bio-Restaurant «Tusheng Shiguan», einem Lokal in Kunming, der Chinesischen Partnerstadt Zürichs. Das Küchenteam reiste eigens für die Dauer der Manifesta nach Zürich. Die chinesischen Projektpartner sind Pioniere einer boomenden chinesischen Öko- und Bio-Bewegung und stellen vieles, was in der Küche verwendet wird, selber her: Von Dampfbroten bis zum Tofu. Ein Ansatz, die Initianten auch auf die «ISS Hope» übertragen haben: Zürcher Landwirte und Gärtner pflanzten im Frühling diverse chinesische Kräuter und Gemüsesorten für die Garküche an und beliefern seither das Pop-Up-Restaurant mit Produkten, die sonst in der Schweiz nicht in der Bio-Qualität erhältlich sind.

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moebelschweiz

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