Die aktuelle Situation in der Schweizer Möbelbranche – und ein Ausblick

Situation nach zwei Jahren Aufhebung des Mindestkurses zum Euro – leiser Optimismus im Detailhandel für 2017

Der Absatz des Marktes „Wohnungseinrichtung“ (Möbel, Teppiche, Vorhänge, Leuchten etc.) reduzierte sich 2015 nochmals um 3 % auf 3.85 Mia. Sfr.

Das Jahr 2016 war für den Schweizer Detailhandel erneut herausfordernd. Die realen Detailhandelsumsätze stiegen Ende November 2016 erstmals wieder um 0,9 % gegenüber dem Vorjahr. Dies ist gegenüber der Entwicklung im 2015 eine leichte Verbesserung. Die Aufhebung der EUR/CHF-Untergrenze am 15. Januar 2015 liess die Detailhandelspreise purzeln. Dies führte dazu, dass die Schweizer Konsumenten über eine höhere Kaufkraft verfügten und sich mehr Produkte leisten konnten. Zudem wuchs die Schweizer Bevölkerung gegenüber dem Vorjahr wiederum leicht. Jedoch gab die Wechselkursentwicklung den Auslandeinkäufen der Schweizer Bevölkerung nochmals ordentlichen Aufwind.

Insgesamt dürfte sich der Wert der Schweizer Auslandeinkäufe gemäss neuesten Schätzungen (stationär und online) im 2016 bei annähernd 10 Mrd. Sfr. eingependelt haben, was rund einem Zehntel des Gesamtumsatzes im schweizerischen Detailhandel entsprach. (Auslandeinkäufe Wohnungseinrichtungen bei geschätzten 730 Mio. Sfr.)

Gemäss den neuesten Zahlen aus dem GfK Markt Monitor Schweiz entwickelte sich der Teilbereich Haushalt/Wohnen (Möbel, Heimtextilien, Einrichtungsgegenstände, Haushaltswaren, Saison-Deko) in den ersten neun Monaten 2016 gegenüber dem Vorjahr mit ca. -3 % weiterhin negativ.

Der nominale Rückgang beruht einerseits auf der gesunkenen Nachfrage nach den Produkten, andererseits auch auf die seit Jahren rückläufigen Preise im Non-Food-Segment.

Die wertmässigen Exporte der schweizerischen Möbelindustrie haben im gleichen Zeitraum um 2,2 % abgenommen (Menge plus 1,2 %), die Importe haben um 3,8 % zugenommen (Menge plus 0,9 %).

Dies zeigt, dass Herr und Frau Schweizer sich in Bezug auf größere Anschaffungen im Bereich Wohnungseinrichtungen auch im vergangenen Jahr passiv verhalten haben.

Die rund 50 Herstellerbetriebe der Schweizer Möbelindustrie erleben diese Zyklen im Moment identisch. Aufgrund der für die Schweizer Industrie kritischen Kursentwicklung des Euro hat dieser Industriezweig in den vergangenen 4 Jahren im Inland sowie auch im Export Marktanteile verloren. Die Preise für Importmöbel reduzierten sich im Schnitt rund 20 % während sich Möbel aus Schweizer Produktion in den Exportmärkten des Euro verteuerten. Dies führte zu einem Verlust des Marktanteils der Möbel aus Schweizer Produktion im Markt Schweiz sowie zu stark reduzierten Margen. Im laufenden Jahr hat sich der Konzentrationsprozess in der Schweizerischen Möbelindustrie und im Möbeldetailhandel weiter fortgesetzt.

Der Marktanteil der importierten Möbel dürfte sich damit auf ca. 70% erhöht haben.

Auf der Basis der verhaltenen Konsumentenstimmung und der zaghaft besseren Konjunkturentwicklung und des überbewerteten Schweizer Frankens, der aber immer noch robusten Bautätigkeit geht die Schweizer Möbelindustrie von einer insgesamt stagnierenden Entwicklung in den kommenden Monaten aus.

Trotz dieser momentan schwierigen Rahmenbedingungen gilt „Swissness“ auf europäischen Märkten bei Möbeln als sexy, das dahintersteckende hochwertige Design, die überdurchschnittliche Qualität und die Zuverlässigkeit helvetischer Möbelbauer sind auch in schwierigen Zeiten für anspruchsvolle Märkte attraktiv.

Die Einführung des neuen Qualitätslabels durch möbelschweiz ist mehr als eine Herkunftsbezeichnung von Einrichtungsprodukten.

création suisse – Ein starkes Bekenntnis zum Schweizerischen Möbel-Design

Schweizerisches Design hat eine lange und ruhmreiche Geschichte. möbelschweiz – der Dachverband der hiesigen Möbelbranche – will mit der Einführung des neuen Labels „création suisse“ die hohe Qualität und das grosse kreative Potenzial Schweizerischen Designs unterstreichen.

Trends in der Möbelbranche, über die wir schon letztes Jahr berichteten, haben sich zum Teil verfestigt, zum Teil können wir sie heute etwas relativieren:

  • Die 10 grössten Möbelhändler haben einen Marktanteil von
    über 80 %.
  • Der Konzentrationsprozess im Detailhandel sowie in der Möbelproduktion schreitet weiter voran. Damit verbunden auch der Abbau von Arbeitsplätzen und weitere Produktionsverlagerungen ins Ausland.
  • Die Bedeutung des Fachhandels beim Möbelkauf nimmt weiter ab.
  • Die Entwicklung von zwei Teilmärkten – „Discount“ einerseits und „Luxus“ anderseits – und das Schrumpfen der unprofilierten Weder-noch-Mitte bei Produkten und Unternehmen wird immer deutlicher. Der richtigen Profilierung der Marktleistung sowohl für Produzenten als auch für Händler wird entscheidende Bedeutung zukommen.
  • Aufgrund des attraktiven Euros behält der Einkaufstourismus im Bereich Möbel seine Bedeutung.
  • Die dadurch verstärkte Preissensibilisierung und schwierige Preistransparenz führen bei den Konsumenten zur Preisverwirrung und fördern den Discountverkauf.
  • Unternehmen, die mit Marken, mit Qualität und mit der Erfüllung hoher Ansprüche werben, müssen sich zunehmend mit Rabattforderungen ihrer Kunden auseinandersetzen. („Kundeninspiration contra Preisinspiration“)
  • Die Geschäfts- und Markenloyalität wird zunehmend schwächer.
  • Das innovative und/oder qualitativ hochwertige Produktangebot mit einer hervorragenden Beratung und Serviceleistung bleiben Kernmotive bei der Geschäftswahl.
  • Die sogenannten „Silver Surfer“ (Konsumenten ab 55 Jahren) sind die umsatzstärksten Kunden.
  • Die Heterogenität des Konsumenten schafft eine Sortimentsverwirrung und verlangt nach einer Fokussierung.
  • Die Nutzung von Internet-Plattformen als Informations- und Kaufkanal nimmt weiter zu. (im Jahr 2015 kauften die Schweizer Konsumenten Waren im Internet im Wert von ca. 7,5 Mia. Sfr. ein) Das Internet bietet der Möbelindustrie die Chance, ihre Marken bei Konsumenten bekannt zu machen. Die Chance des stationären Handels liegt darin, den Möbelkäufern Vorteile zu bieten, die ein elektronisches Medium nicht bieten kann.

Die Zukunftschancen der Möbelindustrie

  • Schweizer Möbelhersteller haben national und international Chancen, wenn sie ihre traditionellen Stärken – Innovationsfähigkeit, Funktionalität, Stil und Design, Qualität, Nachhaltigkeit, Flexibilität, hohe Kundenorientierung und Zuverlässigkeit – weiter ausspielen.
  • Im eigenen Land gelten Schweizer Möbelhersteller wegen dieser Stärken meist als die „zweckmässigeren“ Partner des Handels, da die geografische Nähe sich zusätzlich zu allen positiven Faktoren als wichtige Grösse in punkto „Kundennähe“ und „Schnelligkeit“ auswirkt.

Datum: Januar 2017
Quelle: Verband möbelschweiz

moebelschweiz

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